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    Route & Bilanz 12 Min. Lesezeit

    Energie und Wasser auf der Segelyacht: Langfahrt-Bilanz

    Von Azimut AI · · Aktualisiert am · Unsere redaktionellen Leitlinien

    Vor Anker lebt eine Segelyacht wie ein kleiner Van. Auf See ändert sich alles: der Autopilot steuert rund um die Uhr, die Kühlung kämpft gegen 28 °C warmes Wasser, die AIS-Wache schaltet nie ab — und der Motor läuft nicht. Größenordnungen zur Dimensionierung von Energie und Wasser auf großer Fahrt.

    110–240

    Ah/Tag: typische Bilanz auf See (12 V)

    24 h

    Hydrogenerator-Ertrag unter Segeln

    3–5 L

    lebenswichtiges Wasser pro Tag und Person

    -25 %

    Solarertrag unter Riggschatten

    Die Strombilanz auf See: zählen, was nie ausgeht

    Die Ankerbilanz beruhigt immer; dimensioniert wird nach der Bilanz auf See. Für einen 12-Meter-Fahrtensegler auf Blauwasserkurs, typische Posten bei 12 V:

    • • Autopilot — 50 bis 120 Ah/Tag je nach Seegang, Einstellung und Segeltrimm. Der mit Abstand größte Verbraucher an Bord.
    • • Kühlung — 30 bis 60 Ah/Tag in warmen Gewässern, wo der Kompressor doppelt so viel läuft wie in der Nordsee.
    • • Instrumente, AIS, Positionslichter — 20 bis 40 Ah/Tag, nicht verhandelbar: diese Wache schützt die Crew. Ab 60 sm Abstand von einem Schutzort verlangen die französischen Vorschriften (Division 240) ein Einbau-UKW, ein wasserdichtes Handfunkgerät und eine EPIRB: das mit dem GPS verbundene Einbau-UKW gehört zu dieser Wache.
    • • Kommunikation und Rechner — 10 bis 20 Ah/Tag mit Satelliten-Kommunikator und Routing.

    Macht 110 bis 240 Ah/Tag. Die Dimensionierungsregel: eine nutzbare Bank für 2 bis 3 Tage ohne Ertrag — 300 bis 400 nutzbare Ah in LiFePO4, das Doppelte als Blei-Nennkapazität.

    Der Lade-Mix auf See: keine Quelle reicht allein

    • • Solar — realistisch 300 bis 500 Wp auf Geräteträger und Bimini. 20 bis 30 % vom Landertrag abziehen: der Riggschatten wandert bei jedem Kurs über die Module, die Krängung verschlechtert den Winkel.
    • • Hydrogenerator — die einzige mit der Route korrelierte Quelle: rund 100 W ab 5 Knoten (so die Angabe von Watt&Sea für seine Fahrtenmodelle), Tag und Nacht. Er bezahlt auf einer Atlantiküberquerung den Autopiloten; sein Widerstand kostet etwa ein Zehntelknoten.
    • • Lichtmaschine (oder Generator) — Zuschuss und Reserve. An einer Lithiumbank ist ein externer Regler oder DC-DC-Lader Pflicht, um die Lichtmaschine bei anhaltender Volllast nicht zu grillen.
    • • Windgenerator — wertvoll vor Anker im Passat, marginal auf Vorwindkurs: der scheinbare Wind sinkt mit der Bootsgeschwindigkeit.

    Frischwasser: Tanks, Wassermacher, Regen

    Die Rechenbasis sparsamer Fahrt: 3 bis 5 L pro Tag und Person für Trinken und Kochen, Salzwasserduschen mit Süßwasserspülung. Drei Regeln strukturieren den Rest:

    • • Nie 100 % in einem Behälter — eine Sicherheitsreserve in separaten Kanistern, getrennt vom Druckkreis: ein Leck oder ein verunreinigter Tank darf nicht das ganze Bordwasser kosten.
    • • Wassermacher vorher testen, nicht unterwegs — bis zu 30 L/h bei einer 12-V-Anlage: das Datenblatt des Schenker Zen 30 nennt 30 L/h bei 110 W, also rund 9 A. Vor dem Ablegen unter realen Bedingungen laufen lassen; Ersatzmembran, Filter und Konservierungsbiozid an Bord.
    • • Regen wird vorher aufgeriggt — ein Sammelsonnensegel füllt Dutzende Liter pro Tropenschauer, sofern Rinnen und Anschlüsse fertig sind, bevor die Bö kommt.

    Das Wichtigste

    • Auf See erreicht die typische Bilanz eines 12-Meter-Schiffs 110 bis 240 Ah/Tag bei 12 V — dominiert vom Autopiloten.
    • Der Hydrogenerator ist die einzige mit der Route korrelierte Quelle: rund 100 W ab 5 Knoten, Tag und Nacht.
    • 20 bis 30 % weniger Solarertrag als an Land einplanen: Riggschatten und Krängung.
    • Lebenswichtiges Wasser: 3 bis 5 L pro Tag und Person, mit vom Hauptkreis getrennter Sicherheitsreserve.
    • Wassermacher: vor dem Ablegen unter realen Bedingungen testen, Verbrauchsmaterial an Bord.

    FAQ

    Kann man eine bestehende Yacht auf LiFePO4 umrüsten?

    Ja, sofern die ganze Kette behandelt wird: externer Lichtmaschinenregler oder DC-DC-Lader, kompatibles Landstromladegerät, zugänglicher BMS und definierte Nottrennung. Der Gewinn an nutzbarer Kapazität bei gleichem Gewicht ist erheblich — und Gewicht zählt auf einer Segelyacht.

    Ist ein Wassermacher unverzichtbar?

    Nicht auf einer Atlantikrunde mit regelmäßigen Stopps: Tanks plus Kanister genügen bei strikter Bewirtschaftung. Strukturell wird er im Pazifik und in ariden Zonen, wo verlässliche Wasserstopps Wochen auseinanderliegen — gepflegt sein muss er; eine vernachlässigte Membran ruiniert ihn.

    Wieviel Solar für eine Atlantiküberquerung?

    Gut installierte 300 bis 500 Wp decken Kühlung und Instrumente; der Autopilot bleibt Sache von Hydrogenerator oder Lichtmaschine. 100 % Solar auf See anzupeilen führt auf einem Fahrtenschiff zu unrealistischen Flächen — robust wird die Bilanz durch den Mix.

    Quellen

    Fakten geprüft am 14. Oktober 2026

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